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Channel: Kommentare zu: Was wollen die Griechen? Und warum?
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Von: Thomas Pittner

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Dietmar Tischer

Ich versuchs ja, aber sowas kann man einfach nicht unkommentiert lassen.

“Wenn man IMMER nur abwertet, d. h. NUR über den Preis wettbewerbsfähiger wird, steigt der Wohlstand nicht. Ich fürchte, dass die Griechen dahin tendieren.”

Wie groß sind die Unterschiede in der Produktivitätsentwicklung?
Vor allem zwischen Ländern mit schon sehr hoher Produktivität und deutlich niedrigerer gehen diese Unterschiede in welche Richtung?

Es ist einfach Unsinn zu behaupten, Schwachwährungsländer müssen dauernd abwerten, weil ihre Produktivitätsfortschritte zu klein sind und sie ggü. anderen Ländern zurückfallen.

Schwachwährungsländer haben schlicht höhere Nominallohnsteigerungen und dadurch Preissteigerungen als die Hartwährungsländer, und das wird mit WK-Änderungen wieder ausgeglichen.

Sehr simpel, nimmt man mal die ideologische Scheuklappe ab, dass ein Weichwährungsland voll von faulen uninspirierten Taugenichtsen ist.

“Ausländer investieren nicht, weil ihre griechischen Investitionen – in eigener Währung bilanziert – durch permanente Abwertung an Wert verlieren würden.”

Oh man, wie kann man solche Denkfehler in angeblich so “logische” Argumentationen einbauen?

Es wird abgewertet, weil die Löhne und Preise im Schwachwährungsland gestiegen sind.

Der nominale Wert der Investition in Drachme wächst mit jeder Preiserhöhung, der reale Wert muss mit dem Wechselkurs relativiert werden.

Wenn sich der WK nach den realen Preisen entwickelt (wie unterstellt in der ganzen Betrachtung), bleibt das also immer im Gleichgewicht.

“Deshalb wollten auch Länder wie Italien, die die Eintrittskriterien auch nicht erfüllt hatten, um jeden Preis in die Eurozone: keine Abwertung, attraktiver für Investitionen aus dem Ausland.”
Die Gründe seien mal dahingestellt, Psychologie dürfte wohl an erster Stelle stehen.
Die Investitionen werden attraktiver, weil das im Weichwährungsland höhere Nominalwachstum mit der Währungsunion nicht sofort runtergeht.
Genau das ist das Problem jeder Währungsunion, unterschiedliche Preisentwicklungen, die zu völlig unhaltbaren Zuständen führen.

Die beiden wichtigsten Investitionshindernisse in Griechenland ist die Erwartung des Grexit; im Gegensatz zur “normalen” Abwertung wird damit nämlich tatsächlich der Wert einer Investition in Hartwährung gerechnet sinken (bzw. eine neue Investiton gleichen Ausmaßes erheblich billiger).

Und der Zustand der griechischen Banken, die von der zuständigen EZB in beklagenswertem Zustand gehalten werden.

Positiv für die Griechen im Falle des Grexit: sie haben genug Milliarden unter dem Kopfkissen und auf Auslandskosten, soviel kann man in fünf Jahren gar nicht real investieren.

Auch die Konsumzurückhaltung, die mit der Abwertungsangst begründet ist, fällt weg, im Falle der Abwertung.
(die reine Vorsicht geht natürlich erst zurück, wenn man sieht, dass es wieder besser geht)

Im Falle einer Parallelwährung könnte Griechenland mit dieser rekapitalisieren; das wäre besser als gar keine Lösung des Bankenproblems, aber insgesamt wäre die Bankenpleite mit großem Bail In wohl ein sehr heftiger Schock


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